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SISA und die Österreichische Nachhaltigkeitsstrategie

Dr. Peter Iwaniewicz, BMLFUW

Dr. Peter Iwaniewicz Am 30. April 2002 wurde die Österreichische Nachhaltigkeitsstrategie durch den Ministerrat beschlossen. Dabei handelt es sich um einen Regelbeschluss, der in den nächsten drei Jahren in Form von konkreten Maßnahmen umzusetzen ist. Die Österreichische Nachhaltigkeitsstrategie ist ein durchaus ambitionierter Versuch, Österreich in die Zukunft zu führen. Wichtiger Bestandteil einer solchen Strategie ist der begleitende Diskurs mit allen Beteiligten und Betroffenen.

Warum braucht es überhaupt eine Nachhaltigkeitsstrategie?

Derzeit stellt sich weltweit folgendes Szenario dar, dass von großen Missverhältnissen geprägt ist:

  • 20% der Weltbevölkerung verbrauchen 80% der Ressourcen.
  • Diese 20% sind für 80% der ökologischen Probleme verantwortlich.
  • 1 Milliarde Menschen hat keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Wasser.
  • 2 Milliarden Menschen haben keinen ausreichenden Zugang zu Energie, vor allem in ländlichen Regionen und Entwicklungsländern.
  • Über 60 % der Weltbevölkerung hat bis heute keinen Telefonanruf gemacht.
  • Manhattan hat mehr PC-Anschlüsse als das ganze südliche Afrika.
  • Alle 3 Sekunden stirbt ein Kind an Unterernährung.
  • Von den 100 größten Wirtschaftsunternehmen dieser Welt können 50 keinem Nationalstaat zugeordnet werden.

Durch die Internationalisierung und Globalisierung der Wirtschaft entsteht die neue Situation, dass sich die Global Players einem sonst üblichen nationalen und supranationalen Regelwerk entziehen. Gerade der Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien hat wesentlich zur Globalisierung beigetragen. Das hat zweifellos viele positive Folgen, aber auch Auswirkungen, die vorher gar nicht beabsichtigt oder einsichtig waren. Eine Nachhaltige Entwicklung muss sich daher auch mit den Folgen der Globalisierung beschäftigen.

Was soll eine Nachhaltige Entwicklung bewirken?

Angelehnt an die Definition der Nachhaltigkeit lautet das Ziel, eine Entwicklung zu finden, welche die Bedingungen der jetzt lebenden Generation befriedigt, ohne die Bedürfnisse der zukünftigen Generation einzuschränken und deren Bedürfnisbefriedigung zu verhindern. Wir brauchen ein politisches Regelwerk und Rahmenbedingungen, die selbstverständlich erfolgreiche Wirtschaft sicherstellen, aber auch die wirtschaftliche Tätigkeit dem Konzept der ökologischen Verträglichkeit unterordnet und natürlich auch einem Konzept sozialer Gerechtigkeit entspricht.

Auch Österreich hat in den letzten 20 Jahren in vielen Bereichen des Umweltschutzes vorne mitgespielt. Faktum ist dennoch, dass der Ressourcenverbrauch weltweit trotz der gesetzten Maßnahmen steigt. Der Bereich der Informationstechnik spielt hierbei eine wesentliche Rolle, sowohl bei der Produktion, bei der Einrichtung von notwendigen Netzwerken, im Bereich der Infrastruktur als auch auf der Entsorgungsseite. Gerade hier haben wir es bei der Informationstechnik mit problematischen Stoffen bzw. Stoffkombinationen zu tun wie etwa Kunstharze, Schwermetalle oder Akkugeräte.

Ökologisierung und Nutzerfreundlichkeit der Informationstechnik

Das Prinzip der Nachhaltigkeit muss auch im Bereich der Informationstechnik angewendet werden und einen geschlossenen ökologischen Produktzyklus von der Wiege bis zur Bahre sicherstellen. Ich würde das sogar erweitern, es muss von der Wiege bis zur Wiege ein sinnvoller Zyklus gewährleistet werden. Dazu muss der gesamte Lebenszyklus dieser Produkte optimiert werden, vom Design über die Entsorgung bis hin zu den Konsumentenbedürfnissen. Um die ökologische Sinnhaftigkeit eines Produktes besser einschätzen zu können, gibt es verschiedene Bewertungssysteme wie beispielsweise Ökobilanzen.

Ein sinnvoller Trend geht weg vom Besitzen hin zum Nutzen solcher Technologien. In manchen Bereichen wurden hier schon erfolgreiche Konzepte umgesetzt. Büroorganisationen kaufen im allgemeinen keine Kopierer mehr, sie leasen sie. Der wesentliche Effekt dabei ist, dass die Verantwortung beim Hersteller und beim Verkäufer liegt, der das Gerät zu servicieren hat.

Wichtige Schritte für die Zukunft

  • Neuer Forschungsschwerpunkt:
    Bisher wurde technologische Forschung mehr im Gesichtspunkt einer Markterschließung gesehen, der Aspekt der Nachhaltigkeit wurde in zu geringem Ausmaß berücksichtigt. Hier braucht es entsprechende Forschungsprogramme für neue Entwicklungen.
  • Monitoring für eine Nachhaltige Entwicklung:
    Wir brauchen Kennzahlen zu den sozioökonomischen Effekten und Berechnungen über die Umweltauswirkungen, die der Übergang zur Informationsgesellschaft mit sich bringt. Insbesondere der Materialverbrauch muss noch klarer quantifiziert werden.
  • Eine Nachhaltige Informationsgesellschaft braucht klare Rahmenbedingungen für alle Beteiligten: Produzenten, Konsumenten und natürlich auch die Verwaltung.

Wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen, rechnen wir in längeren Zeiträumen und jeder der Beteiligten muss wissen, welchen Entwicklungen er sich in der Zukunft zu stellen hat. SISA 2002 versucht dies mit Fokus auf die Informationsgesellschaft. Die Tagung soll nach Synergien zwischen zwei Bereichen suchen, die bisher in der öffentlichen Debatte noch wenig Berührungspunkte fanden: die Informationsgesellschaft und ihre Bedeutung für eine Nachhaltige Entwicklung.

Symposium SISA 2002

Symposiumprogramm
Teilnehmer und Teilnehmerinnen
Eröffnung und Impulsreferate
SISA und die Österreichische Nachhaltigkeitsstrategie
Dr. Peter Iwaniewicz, BMLFUW
Eine nachhaltige Informationsgesellschaft braucht institutionelle Verankerung<br>Prof.Dr.Uwe Schnedidewind, Uni Oldenburg Eine nachhaltige Informationsgesellschaft braucht institutionelle Verankerung
Prof.Dr.Uwe Schnedidewind, Uni Oldenburg
Die Netze der Zukunft spannen - Welchen Beitrag können Telekom-Unternehmen für eine Nachhaltige Informationsgesellschaft leisten?
Mag.Alois Schrems, Telekom Austria
Die Entwicklung der Informationsgesellschaft aus globaler Sicht<br>Dr.Thomas Schauer, FAW Ulm Die Entwicklung der Informationsgesellschaft aus globaler Sicht
Dr.Thomas Schauer, FAW Ulm
Arbeitskreise
Empfehlungen von SISA 2002
 
Diese Veranstaltung wird vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft und der Telekom Austria unterstützt.