sis-a Sustainable Information Society Austria
 

Arbeitskreis 2:
Digitale Haushalte und Nachhaltiger Konsum

Die Privathaushalte sind wichtige Ausgangspunkte für Konsum- und Lebensstile. Im digitalen Zeitalter sind Wohnen, Freizeit und Arbeiten einem Wandel unterworfen. "Smart Homes" und "Intelligent Houses" werden zukünftig auch in Österreich am Wohnungsmarkt eine stärkere Rolle einnehmen. Die Visionen, die damit verbunden sind, versprechen einiges:

  • Energieschonende Gebäudetechnik durch Systemsteuerungen,
  • leistungsfähiges Home-Working durch Breitband-Anbindung ans Internet oder
  • Digitalisierung der Haushaltsausstattung vom Kühlschrank bis hin zum Home-Entertainment und damit besserer Lebenskomfort.

Wohnen: zwischen "Privatsein" und "Always Online"

Die eigene Wohnung verfügt mit den neuen Technologien nicht nur über ein "digitales Fenster in die weite Welt", sondern ermöglicht erstmals den bequemen Zugang zu allumfassender Information von Zuhause aus. Elektronische Nachrichten in Echtzeit, interaktives Spiel und Multimedia-Unterhaltung, E-Shopping, E-Learning oder das schlichte "Surfen im Netz" stellen verschiedene Nutzungsalternativen des Webs für Endverbraucher dar. Allerdings stellt die "letzte Meile" vom Daten-Highway in das Wohnzimmer vielfach eine Hürde dar: Das steigende Datenaufkommen erfordert immer leistungsfähigere Netzzugangstechniken wie beispielsweise Breitband-Anbindung für eine schnellere Datenübertragung. Beim Ausbau der Netzinfrastruktur sind entlegene Regionen gegenüber den Zentren stark benachteiligt. Abhilfe könnte hier die in Entwicklung befindliche Datenübertragung via Stromnetz (Powerline) liefern.

Gleichzeitig stellen die "eigenen vier Wände" aber auch den privatesten Ort dar, der den gezielten Rückzug vom öffentlichen Leben ermöglicht. Wohnen stand bisher für "Privatsein", und mit dieser Haupt-Zielrichtung wurden Wohnungen bislang auch entwickelt. Beim "Leben im Cyberspace" wird diese einfache Grundregel konterkariert. Die neuen Technologien lösen die Grenze zwischen privatem Rückzugsraum und öffentlichem Leben sukzessive auf. Die direkte Nähe zu potentiellen Kunden einer Vielzahl von Services und Produkten wird durch viele IT-Lösungen erstmals möglich - zumindest dann, wenn der Kunde "online" ist. "Access" bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur Zugang zu Information und Wissen, sondern auch kommerzielle Verfügbarkeit rund um die Uhr. Nebenfolgen wie Informationsflut, Sicherheitsmängel und digitaler Stress zeigen deutlich die Probleme der derzeitigen Technikgeneration auf, zumindest was ihre Nutzerverträglichkeit betrifft.

Mobilität: real und virtuell unterwegs

Der Digitalisierung sämtlicher Lebensbereiche wird von vielen Seiten eine hohe Lösungskompetenz für den Personenverkehr zugetraut. Die Kommunikation auf elektronischen Wegen könne das Verkehrsaufkommen reduzieren, lauten etwa optimistische Interpretationen. Verkehrsexperten und Trendforscher zeichnen ein weitaus ambivalenteres Bild: Mithilfe der neuen Technologien kann es zwar partiell und regionsspezifisch zu einer Reduzierung des beruflichen Personenverkehrs kommen, beispielsweise durch Telearbeit. Absolut gesehen nimmt die Lebensmobilität jedes einzelnen derzeit zu. Grund dafür sind veränderte berufliche und soziale Konstrukte, unzureichende Qualität der gebauten Umwelt und ein gestiegenes Freizeitbedürfnis. Außerdem bleiben persönliche Kontakte trotz virtueller Kommunikation weiterhin bestehen: Trotz Telearbeit sind regelmäßige Face-to-Face-Kontakte und Büroaufenthalte unvermeidbar. Und das Bedürfnis jedes einzelnen, Menschen zu begegnen, nimmt auch im digitalen Zeitalter nicht ab.

"Problemkind" E-Commerce

Der Internet-Handel zwischen Unternehmen und Privathaushalten steckt noch in den Kinderschuhen: nur 0,4 Prozent des Gesamtumsatzes wurden 2001 per E-Shopping umgesetzt (bei insgesamt rund 7 Prozent E-Commerce als Anteil am Gesamtumsatz des Handels). Das entspricht zwar einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr, liegt insgesamt aber nur knapp über dem Wahrnehmungsbereich.

Notwendig erscheint im B2C- und E-Commerce-Bereich eine starke Diversifizierung von Anwendungsfeldern, wobei hier ein Schwerpunkt auf bedarfsgerechte und ressourcenschonende Angebotssegmente zu setzen ist (Mobilität, nachhaltiges Produktdesign, etc.).

Anwendungsfelder und Anforderungen für Nachhaltige Haushalte

Informationstechnologien können in folgenden Bereichen zu nachhaltigeren Konsum- und Haushaltsformen beitragen:

  • B2C-Strategien zur Produktvermarktung und -information:
    Internetgestützte Vermarktung von ökologischen Produkten, Bereitstellung umfassender Produktinformationen im Sinne nachhaltiger Entwicklung wie Herkunft, Material- und Energieverbrauch, Umweltbelastungspotentiale, Gesundheitsgefahren, etc.
  • B2C-Strategie zur Entwicklung und Vermarktung von intelligenten Services:
    Entwicklung bedürfnisorientierter Dienstleistungskonzepte für den Endkonsumenten (Bildung, Freizeit, Handel, Mobilität, Wohnservices, Kinder- / Gesundheits- / Altenbetreuung, etc.), die komforterhöhend wirken und gleichzeitig den Ressourcenverbrauch und die Verkehrsbelastung verringern
  • Nachhaltige Haustechnik durch intelligente Steuerungssysteme:
    Reduktion des gebäudebezogenen Energieverbrauchs durch optimierte Energieversorgungssysteme, Automatisierung der Haustechnik inkl. nutzerfreundlicher Bedienungselemente der Steuerungssysteme, Systeme zur Gebäudesicherheit
  • Homeworking, dezentrale Arbeitsplätze:
    Reduktion von Mobilitätserfordernissen und Stärkung peripherer Regionen durch die Ausstattung der Haushalte mit Breitbandtechnologien und entsprechenden Qualifikationen bei den Usern

Die Anforderungen einer nachhaltigen Informationsgesellschaft im Themenbereich "Digitale Haushalte und nachhaltiger Konsum" stellen somit große Herausforderungen an Politik und Wirtschaft. Letztendlich kann sich eine nachhaltige Informationsgesellschaft nur mit der höchsten Nutzerzufriedenheit und dem geringsten Ressourceneinsatz bei gleichzeitiger Überwindung sozialer Nachteile zufrieden geben. Exemplarisch und ohne Anspruch auf Vollständigkeit werden hier einige denkbare Aspekte genannt:

  • Nutzerbedürfnisse und Lifestyles berücksichtigen:
    Technologien (Hard & Software, Interfaces, ...), Services und Dienstleistungen
  • High Tech Infrastruktur:
    Flächendeckende Versorgung mit Breitbandtechnologien (auch in entlegenen Regionen); Überwindung des Digital Divide
  • E-Commerce:
    Substitution ressourcenintensiver Güter und Dienstleistungen, Handel mit Information - Produktion vorort, Vermarktung und Förderung nachhaltiger Produkte
  • Mobilität:
    Dienstleistungen und telematische Steuerungssysteme für den öffentlichen Verkehr
  • Haustechniksysteme:
    Ressourceneffizienz, einfache Bedienbarkeit
  • KISS-Prinzip im Produktdesign:
    "Keep it smart & simple" als Designgrundlage für eine erhöhte Nutzerfreundlichkeit und Bedarfsgerechtigkeit der Technik
  • Konsumentenschutz:
    im Bereich E-Security, Privacy-Policy, Informationsflut & Spam, Preis/Leistung
  • Wohnen morgen:
    Sicherung der Privatheit, Klärung verträglicher Nutzungsmischungen im Wohnbereich; Entwicklung entsprechender Richtlinien für die Gebäudeplanung

Symposium SISA 2002

Symposiumprogramm
Teilnehmer und Teilnehmerinnen
Eröffnung und Impulsreferate
Arbeitskreise
Innovative Unternehmensstrategien im IT-Businiess Innovative Unternehmensstrategien im IT-Businiess
Digitale Haushalte & Nachhaltiger Konsum Digitale Haushalte & Nachhaltiger Konsum
Impulse aus Politik und Verwaltung Impulse aus Politik und Verwaltung
Empfehlungen von SISA 2002
Robert LechnerModerator Arbeitskreis 2: Robert Lechner
 
Diese Veranstaltung wird vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft und der Telekom Austria unterstützt.